Ich bin ein schüchterner kleiner Scheißer und vor einer mehrtägigen Outdoor-Tour so ganz alleine habe ich mich immer gedrückt. Es gab da nämlich drei Dinge, vor denen ich besonders Bammel hatte und ich wette, sie kommen Dir bekannt vor. Vielleicht kann ich Deine Bedenken ja ein bisschen zerstreuen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Youtube.

Langeweile

Ich wollte eigentlich nie alleine rausgehen. Die Vorstellung einer Solotour war vor allem von der Befürchtung geprägt, dass ich mich langweilen würde. In meiner Vorstellung ergab eine Tour nur dann Sinn, wenn ich sie gemeinsam mit meiner Frau, meiner Familie oder einem guten Freund erleben würde.

Irgendwann überwog jedoch der Wunsch nach Ruhe. Ich sehnte mich nach einer einsamen Hütte im Nirgendwo. Einfach mal raus aus dem Großstadtlärm, weg von der Dauerbaustelle in der Nachbarschaft und zurück in den Wald, den ich als Kind so geliebt hatte. Ich hatte immer noch Angst vor der Langeweile und fand es schade, dass ich dieses Erlebnis mit niemandem teilen würde. Aber der Drang war größer als alle Befürchtungen. Die folgenden zwei Wochen im schwedischen Wald haben mich umdenken lassen. Denn ich habe es genossen, alleine unterwegs zu sein. 15km von der nächsten Einkaufsmöglichkeit entfernt, ohne Auto, ohne Strom und ohne Handyempfang. Seitdem bin ich gerne und oft alleine unterwegs.

Langeweile kam dabei nie auf. Wenn Dir all die kleinen Helferlein des normalen Alltags fehlen, dann nehmen die meisten Dinge mehr Zeit in Anspruch, egal ob es um die Hygiene geht, das Essen oder einen Kaffee zwischendurch. Der Rhythmus verschiebt sich, Du wirst wach, wenn es hell wird und müde, wenn es dunkel wird. Die Situation, langweilig irgendwo herum zu gammeln, tritt einfach nicht ein. Stattdessen hast Du eigentlich immer was zu tun und genießt die Augenblicke, in denen Du einfach mal im Gras liegt. Zusätzlich kannst Du Dir ein Buch mitnehmen, fotografieren oder ein Video drehen.

Sicherheit

Deine ersten Touren dürften Dich an Orte führen, an denen du zumindest hin und wieder Handyempfang hast. Gib einer Person Bescheid, was Du vorhast, wo Du hinwillst und wann Du planst, dort anzukommen. Melde Dich bei der Person, sobald Du angekommen bist. In Gegenden ohne Handyempfang kannst Du einen Notsender nutzen, um eine vorgefertigte SMS zu senden. Die Kontaktaufnahme kann dann weiter in regelmäßigen Abständen erfolgen, zum Beispiel einmal am Tag.

Mach Dir bewusst, wie groß die Eintrittswahrscheinlichkeit deiner Befürchtungen eigentlich ist. Wenn Du alleine im Wald schläfst, wirst Du sehr wahrscheinlich die einzige Person weit und breit sein und auch Angriffe von Tieren sind sehr selten.

Hab den Mut, dumme Dinge nicht zu tun. Die Steilklippe da links am Wegesrand mag verlockend erscheinen, aber frag Dich selbst, ob es so eine gute Idee ist, sie in deiner Situation erklimmen zu wollen. Wenn Du zu dem Schluss kommst, dass ein gebrochenes Bein lebensgefährlich werden kann, dann lass die Klippe links liegen. Hör auf Dein Bauchgefühl. Du musst niemandem irgendwas beweisen. Viele Gefahren lassen sich durch umsichtiges Handeln stark minimieren.

Einsamkeit

Alleine ist es doch nur halb so schön. Hab‘ ich gedacht. Denn das stimmt wohl, aber nur zum Teil. Zum einen kannst Du andere Menschen an Deinen Erfahrungen teilhaben lassen, indem du Deine Eindrücke fotografierst, auf Video bannst oder Reiseberichte schreibst. Zum anderen wirst Du alleine in der Natur eine ganz besondere Verbindung und eine tiefe Zufriedenheit verspüren, da dich kein anderer Mensch ablenkt. Ich hatte dabei schon mehrfach feuchte Augen.

Du sitzt einfach nur da und die Landschaft haut Dich um wie ein Hammer. Die Einsamkeit wirkt mit einem Mal wie ein Geschenk. Endlich mal keine Reizüberflutung, keine ständige Ablenkung, nur Du und Deine unmittelbaren Bedürfnisse. Du bist für alles selbst verantwortlich und kannst keine Aufgabe einfach abgeben. Aber Du entscheidest auch alleine, wann Du schlafen gehst, was Du essen wirst und ob Du diesen Umweg zu dem See dort hinten vielleicht doch noch läufst.

Daran wirst Du wachsen. Eine Solotour ist immer ein kleiner Schub für Dein Selbstbewusstsein und erweitert Deine Komfortzone. Du wirst Dinge tun, weil sie getan werden müssen und das wird Dich mit einer tiefen Zufriedenheit erfüllen, die ich nur sehr schlecht in Worte fassen kann. Alleine inmitten der Natur fühlt man sich gleichzeitig sehr klein und doch riesengroß. Wenn Du das einmal erlebt hast, wirst Du es nie wieder missen wollen.

Vielleicht konnte ich Dir ja etwas Mut machen und habe ich Dich ein Stück näher an Deine erste Solotour gebracht. Ich kann Dir nur raten, es zumindest einmal auszuprobieren.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Youtube:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen